Wenn Fahrradfahren in der Schule gelehrt würde – unvollständig, könnte sicher ins Unendliche ausgedehnt werden – das Einsetzen anderer Kompetenzen ist möglich :-)

Pädagogen würden zunächst die notwendigen Kompetenzen einzeln aufschlüsseln und in einem Qualitätsrahmen festschreiben, ein Unfallpräventionsprogramm entwickeln, an dem auch die Eltern teilnehmen müssen (äh dürfen), für die Eltern gibt es zudem einen Materialzettel, auf dem u. a. ein speziell empfohlener Helm zu finden ist, der unbedingt besorgt werden muss, dann wird ein Lehrplan erstellt, es werden besondere pädagogische Konzepte entwickelt, in denen sich die Lehrkräfte schulen lassen, dann geht’s los: zunächst gibt es theoretischen Unterricht, der natürlich bewertet wird, bei bestehen der Tests wird eine Fahrradfahrlernerlaubnis erteilt, jetzt fühlen sich schon mal die Schüler mit den schlechten Noten unsicher, Angst vor der Praxis macht sich breit, Lust hat jetzt kaum noch jemand, dann endlich


Belehrung und Wiederholung der Informationen aus dem Unfall-Präventionsprogramm, an das leider niemand eine Erinnerung hat, nochmaliges Durchkauen, daher wenig Zeit für die Praxis, in Zweierreihen (schön anfassen) geht’s zum Ort des Geschehens, ein Übungsplatz der Polizei, erneute Belehrung, es gibt leider nur ein Fahrrad, die anderen sollen ja auch durch Zuschauen lernen, zwei eifrige und der Lehrkraft sehr zugetane („er/sie tut doch ihr/sein Bestes“) Elternteile haben freundlicherweise noch zwei Räder hertransportiert, trotzdem mit Anstellen, jeder darf eine Runde probieren, dann ist die Zeit um (denn da ist noch der Rückweg, wieder schön in Zweierreihen, anfassen nicht vergessen), wer’s nicht geschafft hat vernünftig zu fahren, dem wird eine Lernschwäche attestiert, schließlich kann doch jeder Fahrrad fahren, das Elternhaus wird kritisch beäugt (jemand muss doch daran Schuld sein, dass das Kind so lernschwach ist), letztlich werden die Eltern „überzeugt“ (muss ja richtig sein, Pädagogen wissen schließlich besser als Eltern, was gut ist), dass sonderpädagogische Förderung notwendig ist, den die Kinder in Zukunft zusätzlich bekommen – auf dem Dreirad, es wird auch noch auf die Möglichkeit des außerschulischen Lernens hingewiesen, es gäbe ausgezeichnete Institute, in die die Kinder doch am Nachmittag gehen könnten, um weiter Unterricht zu erhalten, so viel kosten die auch gar nicht, und sicher findet sich auch noch die Zeit, der Lernschwäche auf therapeutischem Weg nachzugehen („das müssen Sie jetzt schon für ihr Kind tun, was soll sonst aus ihm/ihr werden“?), aber jetzt geht es weiter im Lehrplan mit „Arbeitsblätter richtig abheften“, auf das Fahradfahrenlernen wird nie mehr zurückgekommen, wer’s kann, hat Glück, wer’s nicht kann, lernt’s auch nicht mehr, aus Frust oder dem Denken heraus, dass er/sie eh zu dumm ist, diese Schüler (immerhin 1/4) bleiben daraufhin für’s Leben (funktionale) Fahrrad-Analphabeten, aber auch viele von den anderen freuen sich zwar über ihr tolles Zertifikat und die guten Noten (und die entsprechenden Belohnungen zu Hause und darüber, dass alle Erwachsenen offenbar sehr glücklich über ihre Leistungen sind), setzen sich aber recht selten auf’s Rad, und wenn, dann ohne den teuren Helm,

das Programm wird natürlich evaluiert, das Ergebnis ist erfreulich: 3/4 der Schüler haben mehr oder weniger gut Fahrradfahren gelernt, ob wirklich in der Schule spielt keine Rolle (denn eifrige Eltern haben entweder schon vorher mit ihren Kinder geübt, was u. U. genauso unerfreulich war wie der schulische Unterricht, aber egal, Hauptsache das Kind kann es schon, oder einige bestimmt hochbegabte Kinder konnten es überraschenderweise einfach schon), ebenso ist es egal, ob sie jetzt noch mit Lust und Freude Fahrrad fahren, für das eine Viertel lernschwacher Kinder, die im Übrigen ja optimal gefördert werden (man erinnere sich an die Dreiräder, Lerninstitute und Therapien), kann doch niemand was… und wenn doch, dann am ehesten die Eltern, denn die Schule hat doch nun wirklich alles getan…

Wie meine Kinder Fahrradfahren gelernt haben (auch hier können optional andere Kompetenzen eingesetzt werden – es würde ganz genauso funktionieren, davon bin ich überzeugt):

Sie selbst wollten es; sie selbst entschieden, wann; sie selbst baten uns um Hilfe; wir unterstützten sie; sie selbst setzten sich auf’s Rad und übten; sie selbst entschieden, wenn sie genug hatten und wann es weitergehen sollte; sie haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten in ihrem Leben begonnen und brauchten unterschiedlich viel Zeit; sie waren begeistert dabei; sie können es heute alle; sie lieben es Fahrrad zu fahren und

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ein günstigerer Helm hat’s auch getan…

Wer merkt den wichtigsten Unterschied?

Ceterum censeo coactam educationem esse delendam!

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