Der Tod eines jungen Mädchens – unser extremistisches Schulsystem

Zugegeben, auf dieser Seite passiert nicht viel. Heute muss ich mich jedoch aus aktuellem und sehr traurigem Anlass äußern.

Gerade hatte ich auf facebook einen Post der heute-Show kommentiert. Wieder einmal hatte diese, deren Sendungen ich ansonsten sehr mag, Schule unhinterfragt mit Bildung gleichgesetzt und gefordert, dass mehr Geld in diese gesteckt werden solle, weil sich 4 von 10 Deutschen ein autoritäres System vorstellen können. Die Idee war also offenbar, wenn man jungen Menschen noch länger, noch mehr, noch intensiver erzählen würde, wie falsch autoritäre Systeme wären, würden sie es auch endlich verstehen. Ich konnte nicht anders und musste beisteuern, dass Schule doch selbst ein autoritäres Regime darstellt.

(Korrektur vom 9.11.: Ich habe gestern wohl doch zu wütend geschrieben und muss mich nun korrigieren. Die heute-Show verlangte mehr Investitionen in Bildung, nicht in Schulen. Und das unterstützte ich absolut. Aus vielen anderen Bemerkungen zum Thema Bildung in den verschiedenen Sendungen habe ich den Schluss gezogen, dass sie Bildung und Schule gleich setzen. Explizit erklärt haben sie es in diesem Fall nicht.)

Ich bin schon lange der Meinung, dass der Mensch alles Nötige mitbringt, um sich selbst in seine Gesellschaft zu integrieren. Er nimmt wahr und lernt, wie seine Gesellschaft funktioniert, und vor allem – er ahmt nach. Wenn junge Menschen mindestens bis zu ihrem 18 Lebensjahr nicht komplett über sich selbst bestimmen dürfen, weil ein autoritäres System zu großen Teilen über sie bstimmt, ihnen sagt, wann sie wo zu sein und was sie dort zu tun haben. Was lernen sie dabei? Womöglich, dass es so richtig ist?  Dass es gut und richtig ist, wenn einige Menschen über das Leben und Schiksal von anderen bestimmen? Ist es dann so verwunderlich, dass viele Menschen kein Problem mit autoritären Systemen haben? Und sollte die Lösung wirklich darin bestehen, die autoritären Systeme, die Menschen dazu bringen, zu glauben, sie seien richig, noch auszubauen?

Ich erntete natürlich Kritik für meine Meinung. Schulen wären nicht autoritär, Schule würde Selbstbestimmung fördern etc. Sprich: So ein bisschen autoritär schadet doch nicht und ist schon gar nicht extremistisch. Die Schulpflicht sei richtig.

Just in diesem Moment las ich die erschütternde Nachricht davon, dass ein 15jähriges Mädchen heute in Halle von ihrem Balkon stürzte und ihren Verletzungen erlag. Kurz vorher hatte die Polizei bei ihr geklingelt, um drei Beschlüsse des Amtsgerichts Halle auf Jugendarrest wegen Schulbummelei zu vollstrecken. Sprich, sie sollte ins Gefängnis, weil sie offensichtlich den Schulbesuch verweigerte.

Eine junge Frau weigert sich, etwas zu tun, was sie nicht tun möchte, selbst unter Androhung von Zwangsmaßnahmen. In jedem anderen Kontext wäre dies kein Verbrechen oder würde sogar als mutig bezeichnet werden. Warum sie dies tat, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Wichtig wäre nur eins gewesen – sie als gleichwertigen Menschen ernst zu nehmen und nach Lösungswegen für sie zu suchen.

Die einzig mögliche Lösung für die etwa 300.000 Schulverweigerer in unserem Land sieht aber anders aus: Entweder sie besuchen feiwillig wieder eine Schule oder sie werden kriminalisiert und, meist als psychisch krank, pathologisiert. So lange sie minderjährig sind, wird nicht damit aufgehört, sie mit allen Mitteln wieder zur Schule zwingen zu wollen. Das ist alles! Ihr Wille, ihre Gründe für die Ablehnung von Schule, ihr Wünsche für und Vorstellungen über ihr eigenes Leben – all das spielt keine Rolle.

Und jetzt mal ehrlich – ist das extremistisch oder nicht?

Nun hat dieser Extremismus ein Todesopfer gefordert. Denn klar ist, ob sie nun sprang oder stürzte, ohne den Besuch der Polizei wäre das wohl nicht passiert. Ich gebe nicht der Polizei die Schuld. Sie hat das sicher nicht gewollt und einfach ihre Arbeit getan (die sie aber schon hinterfragen könnte).

(Noch eine Korrektur vom 9.11.: Nachdem die Familie sich geäußert hat, muss ich wohl auch der Polizei einen Teil der Schuld zugestehen. Haben sie wirklich an der Tür gehämmert – was als aggressiv wahrgenommen werden muss – und sich nicht zurückgewichen, obwohl das Mädchen auf den Balkon floh, tragen sie eine Teilschuld, da sie jemanden in Angst in eine womöglich gefährliche Situation gedrängt, sich aber nicht zurückgezogen haben.)

Die Schuld für den Tod dieses jungen Mädchens liegt ganz klar bei unserem extremistichen Schulsystem, das junge Menschen nicht als gleichwertig ansieht und behandelt.

Mein Mitgefühl gehört der Familie. Ich bin erschüttert, traurig – und wütend!

Angela

Ceterum censeo coactam educationem delendam esse!

 

 

32 Replies to “Der Tod eines jungen Mädchens – unser extremistisches Schulsystem”

  1. Andrea S

    Das Mädchen aus Halle ist sowenig an Schulgesetzen gestorben, so wenig beispielsweise ein von geflüchteten zu Tode gebrachter Mensch an Zuwanderung stirbt.

    DIfferenzierung, Anstand und Respekt muss man nicht in der Schule gelernt haben, sind aber dennoch wünschenswerte Tugenden…

    • Angela

      Hallo Andrea,

      ich verstehe Deine Aussage leider nicht so ganz.

      Mal schauen:

      Die Schulgesetze verfolgen junge Menschen, die nicht die Schule besuchen wollen. In manchen Bundesländern droht sogar Haft. Das junge Mädchen flüchtete auf den Balkon, weil sie – natürlich! – diese Haft nicht antreten wollte. Sie sprang oder stürzte vom Balkon. Sie ist klar in der Folge dieser Schulgesetze, infolge derer ihr diese Haft drohte, gestorben. Gäbe es diese Gesetze nicht, wäre sie nicht vom Balkon gestürzt. Sie hatte überhaupt keine Wahl, sie musste entweder zur Schule, was sie offensichtlich nicht wollte, oder die unmenschliche Strafe der Haft ertragen, was sie verständlicherweise auch nicht wollte und der sie sich daher zu entziehen versuchte.

      Wie ist das mit der Zuwanderung? Diese wäre in diesem Vergleich quasi das Gegenstück zur Schulpflicht und den Schulgesetzen? Dagegen spricht schon mal, dass Zuwanderung kein Gesetz ist und auch keinen Zwang darstellt. Sie geschieht aus eigener Entscheidung der Migranten. Schulpflicht und Zuwanderung sind also überhaupt nicht vergleichbar. Der von Geflüchteten zu Tode gebrachte Mensch wäre in diesem Vergleich das arme Mädchen? Und der Geflüchtete selbst – wo ist der in diesem Vergleich? Die Behörden bzw. die Polizei? Nunja – tatsächlich wird kein Geflüchteter gezwungen, nur weil er zuwandert, jemanden umbringen zu müssen. Soweit richtig. Sicher würde keine Polizei der Welt bei einem Zugewanderten vor der Tür stehen und ihm Haft androhen, weil er noch niemanden getötet hat. So müsste ich den Vergleich aber verstehen, damit er nur irgendwie Sinn ergibt. Beziehungsweise – noch kurioser – die Zuwanderung zwingt den von dem Geflüchteten mit dem Tod bedrohten Menschen dazu, sich von dem Geflüchteten töten zu lassen? Hä? Stimmt einfach hinten und vorne nicht.

      Ich verstehe, was Du sagen willst. Natürlich ist nicht jeder Migratnt ein Mörder. Aber das hat eben wirklich überhaupt nichts mit einem Gesetz zu tun, das junge Menschen zwingt zu gehorchen oder bestraft zu werden.

      Den zweiten Teil verstehe ich auch nicht. Ja, es sind wünschenswerte Tugenden. Und?

      LG

      Angela

  2. Andrea S

    Was ich mit meiner Aussage illustrieren will ist schlicht:
    was sie da tun, ist nichts anderes als eine populistische Verkürzung.

    Zum Tod des Mädchens haben eben noch deutlich mehr Faktoren als die Schulgesetzgebung beigetragen und den tragischen Tod jetzt auf solch verkürzt emotionalisierende Art und Weise für die eigenen politischen Ideale ausschlachten zu Wollen ist strukturell nicht weit von dem entfernt, was den tobende Mob in Cottbus auszeichnet: ein tragisches Einzelschicksal wird schamlos und verkürzt für die eigenen politischen Ideale ins Feld geführt.

    Leider trägt derartiger Populismus nie zur einer versachlichung oder gar rationalisierung einer Debatte bei…

    • Angela

      Liebe Andrea,

      natürlich haben viele Faktoren zum Tod dieses Mädchens geführt. ABER: Gäbe es diese Gesetzgebung nicht, wäre das Unglück nicht passiert. Die Schulpflicht und die zugehörige Gesetzgebung treiben so viele Menschen in die Enge, machen so viele Familie unglücklich. Sie müssen sich bewusst machen, dass es keine Alternative gibt – nur den Zwang seitens des Staates. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Infolge dieser Gesetzgebung existiert eine regelrechte Verfolgung von Schulverweigerern und ihren Familien.

      Ich will unbedingt vermeiden, dass dieser Tod als tragischer Einzelfall gesehen wird. Es ist eben nur ein Fall, an dem eine grundsätzlich falsche Gesetzgebung direkt zum Tod geführt hat. Aber auch ohne diesen Tod gibt es genügend junge Menschen und Familien, die leiden.

      Und daher bleibe ich dabei: Dieser Tod ist eine Folge der unangemessenen Schulgesetzgebung. Natürlich keine logische Konsequenz. Meine Kinder besuchen nicht die Schule und müssen keine Gewalt befürchten.

      Und ich stehe mit dieser Meinung ja nicht allein da. Genau deshalb wird nun politisch diskutiert, die Schulgesetzgebung zu verändern, indem man wenigstens den Arrest streicht. Dieser hat ja nun auch eindeutig nichts mit Bildung sondern nur mit der Brechung des Willens des jungen Menschen zu tun.

      Dass Familien heute mehr Vollzugsgehilfen der Gesetzgebung als Verteidiger ihrer Kinder sind, ist ja auch die Folge der Angst, dass sie sonst Probleme mit dem Gesetz bekommen. Oder des mittlerweile so tief eingepflanzten Gedankens, dass Schule ein Naturgesetz darstellt und anders keine Bildung möglich ist. Wobei es in Schulen ja eigentlich um Zertifikate und damit dem Zugang zu Lebenschancen geht.

      Ich habe mir im Vorfeld Gedanken dazu gemacht, ob meine Meinung polulistisch ist. Und sicher kann man das so sehen.

      Der Gedanke, dass Rauchen zum Tod führt, ist auch eine populistische Verkürzung. Es gibt nicht mal eine eindeutige Studie dazu. Jedenfalls nicht bis letztes Jahr, als ich das in meinem Psychologiestudium erfahren habe. Und es stirbt auch lange nicht jeder Raucher daran. Die Beobachtung hat gezeigt, dass es da wohl einen Zusammenhang geben muss. Und das wird nun lauthals überall vertreten. Es kommt wohl auch immer darauf an, wer populistisch ist und zu welchem Zweck.

      Und auch Ihr Verhalten, mich mit Menschen zu vergleichen, die wesentlich weniger gut argumentieren können, warum sie eigentlich gegen Migration sind, ist eine populistische Verkürzung.

      Warum ich diese Meinung weiter vertrete, ist auch der Wunsch, dass sich Menschen endlich zur Wehr setzen und für eine vernünftige Bildungspoliitik ohne Zwang und Gewalt eintreten. Ja, auch gern lauthals auf der Straße! Wie soll sich sonst etwas ändern?

      LG

      Angela

  3. annedore

    danke, angela! für den artikel und für deine reaktionen auf andrea s in den kommentaren.
    ich bin dabei, wenn wir irgendwie irgendwas starten wollen/können, um die politische diskussion um die schulpflicht größer zu machen!

  4. Andrea S

    Gedankenexperiment:

    beim Versuch sich seiner Verhaftung zu entziehen kommt ein jugendlicher Gewaltstraftäter zu Tode.

    Schaffen wir jetzt den Straftatbestand der Körperverletzung ab?

    Zudem kann die Schulpflicht kann auf diversen Wegen absolviert werde, wem die staatlichen Schulen nicht behagen, dem steht eine Breite Palette an Ersatzschulen zu Verfügung.

    Selbst wenn ich nun eine denkbare Reform der Schul- in eine Bildungspflicht unterstelle, dann wird auch in diesem Szenario als letztes Korrekturelement des Rechtsstaates im Fall von Regelverstößen durch Strafmündige Bildungspflichtige der Jugendarrest stehen.

    Es ist doch schon heute zudem so, dass vor dem Aussprechen einer Arreststrafe eine lange Kette an Eskalationsschritten (Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Geldstrafen die in Arbeit umgewandelt werden können) stehen muss.

    • Angela

      Liebe Andrea,

      auch dieses Gedankenexperiment verstehe ich nicht.

      Dieser fiktive Gewaltstraftäter hätte ein Verbrechen begangen, für das er verfolgt wird. Kommt er dabei zu Tode, ist das sehr bedauerlich und sollte nicht geschehen. Der wichtige Unterschied aber ist: Das junge Mädchen hat kein Verbrechen begangen. Sie wurde durch ein Gesetz gezwungen, etwas zu tun, das sie offenbar nicht tun wollte. Sie wurde dafür verfolgt, dass sie etwas abgelehnt hat, das ihr aufgezwungen wurde. Sie wurde dafür durch besagte Schulgesetze kriminalisiert. Sie hatte keine freie Wahl. Es wurde von ihr nur der Gehorsam erwartet. Beim fiktiven Gewaltverbrecher war das nicht so. Er hatte eine Wahl, die Tat, für die er verfolgt wird, durchzuführen oder eben nicht.

      Die Schulpflicht kann nur im Rahmen von staatlich vorgegebenen Bedingungen erfüllt werden. Das gilt für alle Schulen. Der Staat hat ein Bildungsmonopol inne. Daher unterscheiden sich Schulen auch in den wesentlichen Dingen nicht. Es sind alles Ort, an denen junge Menschen vorgeschriebenen Plänen folgen MÜSSEN. Es wird ihnen gesagt, wann sie was mit wem zu tun haben. Sie müssen in diesen Gebäuden veharren, so lange es ihnen vorgeschrieben wird. In Grenzen mögen Demokratische Schulen da Freiräume schaffen können, aber sie sind prinzipiell dazu gezwungen, das Spiel mitzuspielen.

      JEDE Hilfe, die geboten wird – Schulsozialarbeit etc. – dient nur einem Zweck – der Rückführung zur Schule. Das alles soll nicht dem jungen Menschen helfen, der sich verweigert, sondern nur dem System, das keine Ausnahmen dulden will.

      Ich bleibe dabei: Wenn ein Mensch äußert, sich nicht in die Schule zwingen lassen zu wollen, hat er das Menschenrecht dazu, dies zu tun. Dieses Recht wird ihm verweigert, wenn er dennoch zurückgezwungen werden soll. Alle Handlungen und Strafen, die nur der Rückführung des nicht willigen Menschen dienen sollen, der nichts verbrochen hat als sich zu weigern, ist Menschenrechtsverletzung!

      Doch noch eine nachträgliche Anmerkung: Ja, man kann es anders sehen, nämlich so, dass beide wegen eines Verbrechens verfolgt wurden und das Mädchen die selbe Wahl hatte wie der Gewaltverbrecher, nämlich gesetzestreu zu sein oder eben nicht. Aber denken wir das weiter: Der Gewaltverbrecher muss aktiv eine Tat vollbringen, die gesetzlich – und immerhin auch moralisch – verboten ist. Unterlässt er diese Tat, kann er völlig unbehelligt leben. Diese Chance auf ein unbehelligtes – oder anders ausgedrückt auf ein selbstbestimmtes – Leben hat das Mädchen in keinem Fall. Der Gehorsam des Gewaltverbrechers besteht lediglich darin, eine Tat nicht zu tun. Das ist einfach. Der Gehorsam unserer Kinder besteht darin, entweder brav bis zu 13 Jahre die Schule zu besuchen, mit all den möglichen Nebenwirkungen. Gewalt durch Lehrende und Schüler, Mobbing, Fremdbestimmung, Fremdbewertung und vieles mehr. Und das kommt in allen Schulen vor, da es systembedingt ist. Autoritäre Institutionen funktionieren so. Schulen sind autoritäre Institutionen, da die Macht den Lehrenden gehört, die Machtlosigkeit bei den jungen Menschen liegt. Die andere Möglichkeit: junge Menschen verweigern diese Einschränkung ihrer Menschenrechte. Dann sind sie aber ebenfalls der Gewalt, dem Mobbing und der Fremdbestimmung durch das System ausgesetzt, das mit allen Mitteln versucht, den Schulbesuch wieder zu erzwingen. Während der potentielle Gewaltverbrecher also einfach nur die Gewalthandlung unterlassen muss, besteht das Verbrechen des Mädchens darin, eine permanente – und ausweglose! – Einmischung in ihr Leben nicht zu wünschen. Welcher Erwachsene möchte schon permanent fremdbestimmt werden? Sie – nur weil sie keine Erwachsene ist – hat keine Wahl.

      Ich glaube nicht, dass das Mädchen sich all die Gedanken wirklich gemacht hat. Sie wollte nicht, also gehorchte sie nicht. Und dies zu tun ist ihr Recht als Mensch.

      LG

      Angela

  5. Uwe Reisenauer

    Es macht oft auch Sinn, sich den weiteren Rahmen anzuschauen: https://www.facebook.com/313744767921/posts/10157159227572922/
    Unsere Tochter war auf einer christlichen, integrativen Schule mit sehr menschenfreundlicher Werbung, und in jedem ! einzelnen der jährlichen Gespräche wurde sie darauf hingewiesen, sich um ihre eigenen Leistungen zu kümmern, statt die anderen Schülerinnen und Schülern zu unterstützen. Sie war meist den Tränen nahe und unterschrieb dann eine Art Zielvereinbarung, die ihr von den Lehrern in den Mund gelegt wurde. Die Anwesenheit und Kritik von uns Eltern an diesem Vorgehen wurde bis hin zur Schulleitung ignoriert.

    • Angela

      Tja, was soll ich dazu sagen. Die jungen Menschen werden nicht als eigenständige Personen akzeptiert. Selbst dann, wenn die Schule wirklich gute Ziele hat. Sie kann diese im Schulsystem nur in engem Rahmen erfüllen.

  6. Andrea S

    Ist die Ansicht von der Menschrechtswidrigkeit demokratisch beschlossener und rechtsstaatlich abgesicherter Sanktionen für Regelbrüche von irgend einem Gericht dieser Welt in einem Urteilsspruch auch nur in Ansätzen nachvollzogen worden?

    Handschell zum Trotz sind mir nämlich nur Verfassungsgerichtliche Bestätigungen der Schulpflicht bekannt.

    Auch der EGMR hat die deutschen Landesschulgesetze schon als nicht Menschenrechtswidrig eingestuft ( EGMR, Nr. 35 504/03), insofern scheint was sie da vertreten eine recht exklusive Ansicht zu sein…

    • Angela

      Liebe Andrea,
      entschuldigung, aber: was die Nazis taten, war legal. Die Flüchtlinge an der Mauer zu erschießen, war legal.
      Wir wissen doch alle, dass das Recht gern so verstanden wird, wie es der Macht in den Kram passt.
      Handschell ist nicht der einzige, der es anders sieht. Es ist reine Auslegungssache. Und zum Glück gibt es auch Menschen, die diese Auslegung verändern wollen.
      Nur weil Sanktionen vorgesehen sind gegen Menschen, die sich nichts zu Schulden kommen haben lassen, als nicht zu gehorchen, heißt das noch lange nicht, dass diese richtig sind. Ich verbinde so etwas eher mit totalitären Staaten.
      Und es gibt sehr wohl kritische Stimmen. Hier nur der Wiki-EIntrag, aber man findet auch leicht mehr Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Bericht_%C3%BCber_den_Deutschlandbesuch_des_UN-Sonderberichterstatters_f%C3%BCr_das_Recht_auf_Bildung
      Muñoz forderte u. a. die Zulassung von Homeschooling in Deutschland. Eine Form davon ist in den meisten europäischen Staaten legal.
      LG
      Angela

  7. Andrea S

    Ich kann ihre Wut, angesichts des aussichtslosen Kampfes den sie sich aufgeladen haben, ja sehr gut nachvollziehen.
    Aber Wut trübt die Ratio dann manchmal doch ganz gewaltig, wie auch ihre Antworten deutlich machen.

    Es sind (und werden z.T. heute noch) sowohl Nazikriegsverbrecher, als auch Mauerschützen juristisch belangt worden, „legal“ ist hier also keine zutreffende Einschätzung.
    Zudem schrieb ich „demokratisch beschlossener und rechtsstaatlich rechtsstaatlich abgesicherter Sanktionen“, (die rechtsstaatliche Absicherung sogar im Rahmen supranationaler Institutionen (EGMR)) und das trifft dann doch weder auf Nazideutschland, noch die DDR zu.
    Eine derartige geschichtlich politische Indifferenz (bei einer Studierten Historikerin) finde ich wirklich erschreckend.

    Die Forderungen des Munoz Berichts würde ich ja vollumfänglich unterschreiben, aber Weltfremder Dogmatismus und populistische Pietätslosigkeiten sind meiner Auffassung nach eben nicht das Mittel diese Forderungen zu Realisieren.

    • Angela

      Liebe Andrea,
      ich bin vielleicht wütend über den unsinnigen Tod dieses Mädchens, meine Argumente sind aber kein wütendes Herumgeschrei. Das bitte ich zu bedenken. Bitte versuchen Sie nicht, mit der Unterstellung von Wut meine Argumente zu entkräften.
      Im Gegenteil, was meine Arbeit an meinem Anliegen betrifft, bin ich sogar ausgesprochen locker. 🙂
      Die genannten Verbrechen waren im jeweiligen Land zur jeweiligen Zeit legal. Noch ein Beispiel: Apartheit in den USA und in Südafrika. Was genau ist geschichtlich politisch indifferent, wenn man darauf hinweist? So wie eben jetzt die Schulpflicht nur als Schulgebäudeanwesenheitspflicht legal bei uns ist. Das muss aber nicht so bleiben. Es müssen sich nicht einmal Gesetze ändern, nur deren Auslegung. Ich hoffe sehr, dass wir auch irgendwann auf diese menschenunwürdige Behandlung unserer jungen Leute verurteilend zurückblicken. So war der Vergleich gemeint und ich finde ihm immernoch korrekt.
      Daher verstehe ich den Satz mit Nazideutschland, der DDR und dm EMGR nicht wirklich.
      Zeigen Sie mir den „weltfremden Dogmatismus“ und die „populistische Pietätslosigkeiten“ in meinen Antworten bitte auf.
      Ich habe lediglich argumentiert.
      Es ist doch sehr schön, dass Sie den Äußerungen von Muñoz zustimmen. Freut mich.
      LG
      Angela

  8. Andrea S

    Den Populismus hatten sie ja weiter oben schon eingeräumt und die Schulpflicht mit den Naziverbrechen, der Mauer oder auch der Appartheit zu Vergleichen erscheint mir schon ziemlich Dogmatisch…

    • Angela

      Sie scheinen mich nicht zu verstehen oder verstehen zu wollen. Ich vergleiche nicht die Verbrechen, sondern mache darauf aufmerksam, dass etwas, nur weil es legal ist, nicht rechtens sein muss.

      Und ich habe eingeräumt, darüber nachgedacht zu haben, ob meine Wortmeldung populistisch ist. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht so ist. Es handelt sich um ein Ereignis, dass ich zum Anlass nahm, meine schon bestehende Meinung noch einmal zu bekräftigen. Und zwar, weil dieser Tod in meinen Augen mit meiner Meinung in Zusammenhang steht. Ansonsten diskutiere ich nicht über das arme Mädchen, sondern über die Schulpflicht und zwar mit Argumenten, auf die Sie gern eingehen können.

  9. Andrea S

    Aber ich sprach doch nie von „legal“…

    „Legal“ist nicht das gleiche wie „demokratisch/ rechtsstaatlich“

    und ich zitiere sie mal:
    „Ich habe mir im Vorfeld Gedanken dazu gemacht, ob meine Meinung polulistisch ist. Und sicher kann man das so sehen.“
    😉

    • Angela

      Für mich ist das schon das selbe. Etwas wird demokratisch/rechtstaatlich beschlossen und ist dann legal. Wo sehen Sie den Unterschied? Wenn Sie Hitler oder Honnecker gefragt hätten, ob die der Legalität zugrunde liegenden Beschlüsse rechtstaatlich sind, hätten sie natürlich mit Ja geantwortet. Sie dürfen nicht unsere Definition von Recht oder Demokratie zugrunde legen.
      Wenn es nicht immer wieder Menschen geben würde, die geltendes Recht in Frage stellen, käme keine Entwicklung zustande. Das Frauenwahlrecht zum Beispiel wurde so erstritten.
      MAN kann es so sehen. Ich sehe es nicht so. Ich lasse Ihnen lediglich Ihre Meinung.

  10. Andrea S

    Sowohl die Mauerschützen, als auch das industrielle Töten wurden von den politschen Verantwortlichen stets geleugnet, da gab es also durchaus ein Problembewusstsein, dass von ihnen unterstellte „Ja, dass ist legal“ in Bezug auf Mauerschützen oder KZs hat es also in der Realität nie gegeben.

    Für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gibt es wissenschaftlich angebundene Definitionen und ich bin recht sicher, dass die gesammte juristisch politikwissenschaftliche Fachwelt der unterscheidung von „legal“ und „demokratisch/ rechtsstaatlich“ zustimmen würde. Da ist es erstmal sekundär ob das für sie „das selbe“ ist. Wenn sich jeder seine Fachtermini selber zurechtbiegt ist keine sinnvolle Verständigung möglich. (siehe unser Dialog…)

    • Angela

      Das Gefühl, das etwas falsch ist, hatten diese Menschen vielleicht. Nichtdestotrotz war es zur Zeit des Geschehens legal. Natürlich wollte es DANACH keiner gewesen sein. Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals gestritten wurde, ob die Mauerschützen nach BRD- oder DDR-Recht behandelt werden sollten. Nach DDR-Recht hätte es wesenltich besser für sie ausgesehen.
      Sie wollen einfach nicht verstehen. Also nochmal: Egal, wie die Legalität jeweils zustande kam, Apartheit in den USA war legal, auf Menschen an der Mauer zu schießen war legal, dass Frauen nicht wählen durften, war legal. So wie heute die Schulpflicht legal ist. Wir dürfen unsere Meinung von Legalität nicht über die damaligen staatlichen Zustände stülpen. Die angesprochenen Definitionen gelten HEUTE und liegen unserer Legalität zugrunde. Aber deswegen muss auch heute nicht immer richtig sein, was legal ist.

    • Angela

      Ohne jetzt irgendwo die Zitate hervorholen zu wollen: Sie haben bemerkt, dass die gängige Rechtspraxis die Schulpflicht bejat (also für legal erklärt). Und ich habe sinngemß geantwortet, dass nicht alles, was legal ist, auch rechtens sein muss.

  11. Andrea S

    Aber klar ist alles was rechtens ist auch legal, alles andere ist aus logischer Perspektive schwer zu schlucken…

    Wie war das doch gleich mit der Unverständlichkeit, wenn jeder seine eigenen Vokabeln schnitzt 😉

    • Angela

      Diese Art der Diskussion bringt nicht weiter, aber o.k. „Rechtens“ ist für mich ein Begriff der Umgangssprache. Ich glaube nicht, dass der irgendwo rechtlich bindend definiert ist. Meine Aussage ist also, dass nicht alles, was legal ist, in den Augen der Menschen auch richtig sein muss. Und hätte es nicht immer auch Menschen gegeben, die es in verschiedenen Fällen genau so gesehen haben, Stichwort Frauenwahlrecht etc., hätte es keine Veränderungen gegeben. Darauf zu beharren, dass etwas doch schließlich durch die derzeitige Rechtsprechung abgesichert ist, heißt Stillstand. Gesellschaft sollte immer in Bewegung bleiben. Die Menschen, die in ihr leben, müssen das Recht haben, ihre Lebensbedingungen immer wieder neu auszuhandeln. Im Moment wird eine strenge Schulgebäudeanwesenheitspflicht aus unseren Gesetzen herausgelesen. Sie geben das nicht mal eindeutig her. In meinen Augen und in den Augen vieler anderer ist das nicht „rechtens“. Sprich – sie halten es unabhängig von der derzeitigen Auslegung der Gesetze für Unrecht und wollen es ändern. Ich hoffe, das war deutlich genug erläutert.

  12. Andrea S

    Aber dennoch ist die Aussage die deutsche Schulgesetzgebung sei Menschenrechtswidrig weder fachlich zwingend, noch wird sie von einer nennenswerten Anzahl Laien geteilt, das ist eine absolute Minderheitenposition und die können sie gern Gesellschaftlich debatieren, aber ich befürchte eben, dass wird nie Lehrmeinung. Bei genauer Überlegung ,muss man doch auch die Schulgesetzgebung nicht für Menschenrechtswidrig erklären, um sie zu verändern. Es reicht mittels sachlicher Argumente ein Mehrheit für eine liberalere Gesetzgebung zu organisieren, denn so funktioniert das meiner Auffassung nach nämlich in einer Demokratie.

    Das was z.b. sie hier machen ist doch genau Teil des Aushandlungsprozesses, aber noch stehen sie eben mit ihrer Überzeugung relativ allein da.

    • Angela

      Darauf kann ich nur – WIEDER – anworten: Hätten nicht ein paar wenige Laien die Tatsache, dass Frauen nicht wählen dürfen, als Ungerechtigkeit empfunden, hätte sich nichts geändert…
      Der Punkt ist, dass die Schulpflicht – und das wird in der Rechtsprechung auch so gesehen – eine Einschränkungen von Rechten bedeutet, was in Kauf genommen wird. Und genau dagegen wende ich mich. Wie gesagt – nicht allein.
      Es arbeiten andere Menschen an anderen Baustellen – auch daran, das bestehende System zu liberalisieren.
      Ich arbeite an der Baustelle, die ich für besonders wichtig erachte.
      Da sind wir uns doch einig – es geht darum, Menschen zu mobilisieren.

  13. Andrea S

    Jetzt hab ich mir sogar die Mühe gemacht mir mal den Wortlaut von §26 der AEMR zu Lesen und es ist wirklich lustig, denn da steht doch tatsächlich:

    „Artikel 26 (Recht auf Bildung)
    Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch.“

    GrundSCHULUnterricht ist obligatorisch, wie soll da bitte ein Gesetz, dass Grundschulunterricht obligatorisch macht Menschenunwürdig sein?

    EIne abschließende allgemeine Bemerkung noch, nur um meine EIngangs gemachte Feststellung zu illustrieren:
    Auf Basis eines sicher tragischen Einzelfalls (weniger als ein 0,05 Prozent der Schulpflichtigen in Deutschland werden mit Arreststrafen belegt) ziehen sie einen allgemeinen Schluss auf das Gesetz. Eine derartige induktive Argumentation ist in politischen Debatten aber eben nicht sonderlich zielführend, wenn auch gewiss populistisch verfänglich. Das Problem ist aber, dass sich vermutlich auch unter nicht institutionell Gebildeten 0,05% tragischer Einzelfälle irgend einer Art vorkommen würden.

    Ist dann ein von einem Elternteil geschlagener „Freilerner“ (den es in 0,05 der Fälle sicher geben wird, ich erinnere z.b. an die Geschichten um die 12 Stämme) ein Grund zu erklären „Freilernen ist Kindeswohlgefährdend“?

    • Angela

      Dazu kann ich 1. sagen, wie ich es schon andauernd sage: Nur weil etwas in irgendeiner Form festgelegt wurde, muss es nicht RECHTENS sein. Gesetze werden von Menschen gemacht und können deshalb fehlerhaft sein.
      2. Im Original heißt es: „Elementary education shall be compulsory.“. Es geht um Grundbildung, nicht GrundSCHULbildung. (Nachtrag: Das ist spitzfindig – ich weiß. 🙂 Letztlich meint es wohl das selbe. Aber wie gesagt – nur weil die Menschen damals meinten, Bildung könne nur in Schulen erworben werden, muss das nicht für alle Zeit festgeschrieben sein.)
      Mir ist schon klar, dass Sie das Grundproblem nicht verstehen WOLLEN. Mit der Schulpflicht in Deutschland werden junge Menschen ALTERNATIVLOS zu etwas gezwungen, was ein erheblicher Teil von ihnen nicht will. Dazu gibt es viele, viele Statistiken. Nirgendwo sonst gibt es das so. Die Wehrpflicht kommt dem noch gleich, wobei ja selbst dort Alternativen möglich waren. Jedoch gab es auch den unbedingten Zwang zur Ableistung irgendeines Dienses.
      Mal abgesehen davon, ob diese Art von Schule überhaupt zu Bildung führt – diese Diskussion will ich hier jetzt nicht auch noch eröffnen -, entspricht das in meinen Augen und in den Augen vieler anderer Menschen nicht den Menschenrechten. Denn das Recht weggehen zu dürfen, ist eins der wichtigsten Rechte. Sonst ist man ein Sklave.
      Das Mädchen starb in direkter Folge dieses Zwanges. Es gab für sie keine Wahl, keine Alternative zu Schule, stattdessen nur Strafen, Zwang und staatliche Gewalt. Und ja, wenn ein Kind infolge von Gewalt durch seine Eltern stirbt, ist das genauso zu verurteilen. Denn auch die Eltern müssen natürlich die Rechte ihrer Kinder sicherstellen. Was die 12 Stämme taten, war zuerst mal kein „Freilernen“ und zudem übten sie Gewalt gegen ihre Kinder aus, was ich in jeder Hinsicht verurteile.
      Ich habe den Begriff „Freilernen“ nicht in diese Diskussion eingeführt, weil es mir gar nicht darum geht. Es gibt sicher Eltern, die ihre Kinder mit Gewalt von Schulen fern halten. Dann haben diese aber sowieso eine falsche Idee vom „Freilernen“. Denn zum „Freilernen“ besteht kein Zwang. Wie sollte der auch aussehen? Freilernen passiert immer und überall – ja, auch in Schulen. Nur was der junge Mensch tatsächlich dort lernt – das ist die große Frage (Stichwort – heimlicher Lehrplan). Der Wunsch, über die eigene Bildung selbst zu bestimmen, sollte – ganz im Gegenteil – von den jungen Menchen selbst ausgehen. Und hier ist der Zusammenhang zu den Schulverweigerern. Wenn sie Schule verweigern, muss es andere Handlungsmöglichkeiten geben, als sie dorthin zurück zu zwingen – als einzige Lösung! Ginge es wirklich um Bildung, wären viele Wege denkbar. Es geht aber schlichtweg nur um die Durchsetzung der Schulpflicht.
      Ausschließen will ich nicht, dass „Freilernereltern“ das Wohl ihrer Kinder gefährden können. Dafür gibt es das Wächteramt des Staates, das ich nicht ablehne. Der Punkt ist aber, dass dann nicht der generelle Zwang zum Freilernen die Ursache darstellen würde, sondern ein Fehlverhalten von einzelnen Eltern. Gäbe es keinen Schulzwang und eine einzelne Schule oder ein Lehrer würden das Kindswohl gefährden, würde in dieser Sache gearbeitet werden und nicht das Kind therapiert, das nicht mehr hin will. Ja, es wird über Mobbing viel gesprochen. Die echten Ursachen, die in der Zwangsinstitution an sich zu suchen sind, werden aber nicht angegangen. Ja, hin und wieder wird das Verhalten von Lehrern kritisiert, aber dass dem Problem zugrund liegt, dass diese sich den SchülerInnen gegenüber in einer absoluten Machtposition befinden, was ihr Verhalten natürlich beeinflusst, wird lieber nicht besprochen.
      Der Schulzwang verursacht eine Verschiebung. Die Schule ist niemals Schuld, kann niemals Schuld sein, denn wie könnte man sonst verlangen, dass alle hin müssen? Sie wurde einfach zum Naturgesetz erklärt. Und niemand würde ja die Schwerkraft verantwortlich machen, wenn er hinfällt. Da muss der Mensch selbst Schuld sein, weil er gestolpert ist. Nur – Schule ist kein Naturgesetz. Es ist mittlerweile sehr genau bekannt, wie der Mensch lernt und dass das sehr gut ohne Schulen funktioniert.
      Ich denke, dass wir die Diskussion lieber beenden sollten. Nicht, dass sie mir nicht auch Spaß macht, aber sie würde, glaube ich nach dem eben Geschriebenen, sich jetzt zu sehr in Einzelheiten verlieren.
      Wir haben ja nun festgestellt, dass wir verschiedener Meinung sind. Für mich ist das kein Problem. Zum Glück haben Menschen verschiedene Ansichten, sonst wäre das Leben ja langweilig. 🙂 Aber ich möchte mich jetzt wieder meinen Büchern widmen, die in Arbeit sind. Dort erläutere ich sowieso so einiges, über das wir uns hier ausgetauscht haben. Ich habe nur begrenzte Zeit zur Verfügung und kann dann leider nicht mehr noch die selbe Diskussion – zumindest nicht vertiefend – an dieser Stelle führen.
      Die Art der Diskussion ist ja auch ein wenig ermüdend. Sie suchen nach Gegenargumenten, ich bemühe mich zu erklären, teilweise mit immer den selben Inhalten. auf die Sie aber nur wieder mit – teilweise ganz neuen – Gegenargumenten antworten, inhaltlich aber selten Bezug nehmen. Sie werfen vor, ich erkläre…. Schlüssig wie ich finde. Sie erklären mir nicht, warum Sie eigentlich die Gegenposition einnehmen. Wenn ich auf Vorwürfe von Ihnen geantwortet habe, gehen Sie, wenn ihnen offenbar kein passendes Gegenargument einfällt, darüber hinweg und versuchen es mit Gegenargumenten in eine andere Richtung. So ist keine Diskussion möglich. Ich bekomme auf diese Art keine neuen Denkanstöße, die ich in meine Überlegungen einbeziehen könnte. Ich muss Ihnen nun permanent meine schon vorhandenen Gedanken darlegen, und das auch noch wiederholt. Dass Sie meine Meinung nicht teilen, dass das Mädchen ein Opfer des Schulzwanges war, respektiere ich. Damit könnte die Diskussion beendet sein. Wenn Sie weiter vertiefend diskutieren wollen würden, müssten Sie intensiver meine Argumente besprechen und sich erklären. Zum Beispiel: Was ist gut am Schulzwang? Ich finde, ich habe gute Argumente dagegen. Zeitweise glaubte ich, Sie seien ein Troll. Das ist wahrscheinlich nicht so, dennoch würde ich an dieser Stelle gern die Diskussion schließen.
      Ich Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür.

  14. Andrea S

    Natürlich hatte das Mädchen an vielen Stellen eine Wahl, z.B. hätte sie die Konsequenzen ihres Rechtsbruchs tragen, sich kümmern und Arbeitsstunden leisten können, denn die Arreststrafe ist ja nichtmal Teil der Schulgesetze, sondern einfach die Konsequenz einer nicht bezahlten/ abgearbeiteten Geldbuße.

    Schauen sie doch mal in Länder mit der Möglichkeit zu häuslicher (Selbst-) Bildung, auch hier ist es i.d.R. ein kleiner Einstelliger Prozentsatz der Menschen, der davon Gebrauch macht, es handelt sich um ein Elitenphänomen, ein klassischer Fall für die FDP also…

    Was sagen sie eigentlich dazu, dass die Suizidquote unter Amerikanischen homeschooling Absolventen höher als unter Absolventen klassischer Schulen ist?

    • Angela

      Liebe Andrea,
      sie hatte NUR die Wahl, dem Zwang zu genügen oder nicht, was aber weiteren Zwang nach sich zog. Dem Zwang an sich konnte sie nicht entkommen. Sie genügte nicht. Ich selbst finde das nur konsequent. Vielleicht hatte sie ein Gefühl für die Ungerechtigkeit dieser Strafen an sich und wollte daher weder Stunden leisten noch in den Arrest.
      Ich habe schon vor einigen Posts intensiv erläutert, dass ich es als ein Menschenrecht ansehe, Dinge, die man nicht tun will, nicht tun zu müssen. Das Mädchen – stellvertretend für alle SchulerInnen – hat kein Verbrechen begangen. Nein, sie wurde einfach nur aufgrund ihres Alters (unter 18) durch ein Gesetz gezwungen, etwas zu tun, was sie offensichtlich nicht tun wollte. Und da hatte sie keine Wahl. Nur die Möglichkeit zu gehorchen.
      Und schon drehen wir uns wieder im Kreis….
      Die FDP ist für mich eine Verräterin ihrer eigenen liberalen Werte. Ich war bei einem FDP-Vortrag zum Thema Bildung, bei dem die Beteiligten feierten, dass Liberale maßgeblich an der Schulpflicht mitwirkten. Ich müsste erst nachschauen, ob man das so sagen kann. Aber der Punkt ist doch, dass sie den Schulzwang befürworten. Sie spielen für mich in der ganzen Diskussion überhaupt keine Rolle.
      Ich kann Ihnen auch sagen, warum die meisten Menschen Schulen nicht scharenweise verlassen: Weil sie Angst haben, keine Zertifikate zu bekommen. Und Zertifikate sind nun mal das A und O in unseren Gesellschaften. Ob da Bildung dahinter steckt, spielt gar keine Rolle. Zertifikate sind Garanten für Zugänge zu besseren Lebenschancen. Das ist alles.
      Zur letzten Behauptung möchte ich Zahlen sehen. Ich kenne da andere Statistiken, zum Beispiel von Peter Gray.
      Sie begreifen noch immer nicht, dass es mir nicht um Homeschooling geht, sondern um die freie Wahl. Wenn Eltern zu Hause unterrichten, kann das schlimmer als Schule sein.
      Sie können mir gern noch die Statistiken zu den Selbstmorden zukommen lassen und darüber können wir auch noch sprechen, wenn Sie wollen. Jedoch werde ich eine weitere Diskussion unterbinden. Sie haben wieder nichts zu einer vernünftigen Diskussion begetragen, sind so gut wie nicht auf meine Erläuterungen eingegangen, haben neue Behauptungen aufgestellt. So eine Art von Konversation ist einfach nur anstrengen dunf führt zu nichts.
      Angela

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