Was den Ausschlag gegeben hat

Ich bin schon lange gegen die Schulpflicht. Aus Gründen, die anderswo hier noch ausgiebig diskutiert werden. Aber weder mein Leidensdruck noch der meiner Kinder war bisher so groß, dass ich aktiv etwas getan hätte.

Den Ausschlag für meine Wut und meinen Wunsch, diese Sache endlich zu beenden, gab ein Video, dass eine Mutter vor einigen Tagen ins Netz gestellt hat.

Der Junge, der dort extrem gewaltätig aus der Familie geholt wird, hat (nach dem, was ich weiß) nichts weiter getan, als Angst vor der Schule zu haben. Deswegen ging er wohl einige Zeit nicht mehr hin. Die „Hilfe“ unseres Staates besteht nun in diesen Fällen darin, das Kind letztlich „in Obhut zu nehmen“, das heißt der Familie zu entreißen und in Fremdbetreuung zu geben, denn angeblich bedeutet Schulabwesenheit eine Kindswohlgefährdung. Dass die ganze Familie durch so eine Aktion traumatisiert wird, dass vor allem das Kind unter der Gewalt des Staates mit Sicherheit extrem leidet, spielt dabei keine Rolle.

Es ist auch egal, was dort im Vorfeld noch vorgefallen sein mag. Solche Gewalt ist in meinen Augen nur in extremen Situationen angebracht, d. h. wenn der Junge ein schweres Verbrechen begangen hätte oder in der Familie in aktuer, Leib, Psyche und/oder Leben gefährdenden Situation wäre. Wenn man sich das Video anschaut (aber Vorsicht, es geht unter die Haut), merkt man, dass dies nicht gegeben war.

Der viel hervor gebrachte Vorwurf, die Mutter hätte die Situation eskaliert, weil sie ihrem Sohn nicht gesagt hätte, dass er mitgehen muss, zeigt eigentlich nur, wie unsere Gesellschaft tickt. Die Aktion wird nicht hinterfragt, sondern die Mutter, die verständlicherweise hoch emotional ist und ihr Kind nicht hergeben will, die gemeinsam mit ihrem Sohn das Opfer staatlicher Willkür und Gewalt ist, wird noch verantwortlich gemacht. Warum MUSS denn der Sohn mit? Es gibt dafür keinen vernünftigen Grund. Die Verantwortung liegt klar bei den Menschen, die die Familie in diese Situation gebracht haben.

Die Frage ist: Wieso hat der Staat das Recht, mit solcher Gewalt gegen „Schulschwänzer“ vorzugehen? Wieso werden die Eltern so unter Druck gesetzt (durch die Androhung von Kindsentzug), ihre Kinder gegen besseres Wissen in die Schule zu zwingen? Man spürt die Hilflosigkeit der Mutter bei den Hilferufen ihres Sohnes und die Angst und Aussichtslosigkeit in diesem Video so deutlich, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Ganz ehrlich, beim Anblick dieses Videos glaubt man nicht, in einem demokratischen Staat zu leben, eher in einem Zwangsregime. Ich habe mich gefragt, wieso keiner der Beteiligten genug Moral und Mut hatte, die Sache zu beenden.

Schuld ist die Schulpflicht. Sie macht, dass Jugendämter keine Alternativen für menschenwürdige individuelle Hilfen für die betroffenen Kinder haben. Sie sehen Schulabsentismus zudem völlig unbegründet als Kindswohlgefährdung an. So besteht ihr Ziel einzig darin, jedes Kind wieder in die Schule zu zwingen, ohne dessen Befindlichkeiten zu beachten, denn sie können aufgrund der Schulpflicht keine Alternativen zulassen. Diese Gewalt droht allen Familien, die eine andere Bildung für ihre Kinder wünschen oder deren Kinder Probleme, welcher Art auch immer, in der Schule haben. Vor allem letztere sind ja schon Opfer und werden dann doppelt gestraft. Daher müsste doch die Abschaffung der Schulpflicht auch den Damen und Herren in den verschiedenen Ämtern, wenn sie Familien und Kindern wirklich helfen wollen, sehr am Herzen liegen.

Es wird – unbewiesen – behauptet, dass der Schulbesuch der einzige Weg zu Bildung wäre und diese Idee wird mit Zwang durchgesetzt. Durchaus entgegen besseren Wissens.

Lernen findet nicht (nur) in der Schule statt. Dazu in Zukunft noch mehr auf dieser Seite. Es gefährdet Kinder keinesfalls, nicht zur Schule zu gehen. Es gefährdet sie aber sehr wohl, in der Schule unter Mobbing, Lehrergewalt und Zwang zu leiden. Auch dazu bald mehr hier. In meinen Augen sind die Schulpflicht und die Gewalt, die den Familien aus dieser heraus droht, die wahre Kindswohlgefährdung. Mit welchem Recht werden sie in die Schule gezwungen, wenn dieser Ort ihnen Angst macht und/oder wenn sie dort nicht sein wollen? Dient das wirklich dem Kindswohl?

Hier geht es ganz klar um die Verletzung von Menschenrechten! Und das hat mich letztlich bewogen, aktiv etwas zu tun.

Ich habe den Link herausgenommen. Leider gibt es wohl nur einen rechtsicheren (da gepixelten) Videoausschnitt, der aber aus dem Zusammenhang gerissen ist. Daher habe ich mich entschieden, diesen nicht zu zeigen. Wer möchte, fragt mich bitte einfach.

Angela

Ceterum censeo coactam educationem esse delendem!

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